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Sommer 2020: Ein Résumé

Als wir heute vor einem Jahr die Saison 2020 geplant haben, ahnte noch niemand, was dieses Jahr uns bringen würde. Windbeutel Reisen schaute nach einer erfolgreichen Segelsaison voller Elan ins neue Jahr: Mehr Törns, Upgrade auf werksneue Schiffe in vielen Revieren. Einsätze der innovativen „Sun Loft 47“, die wir uns im Juni 2019 in Marseille angeschaut hatten. Segeln mit Yogalehrerin, mit Achtsamkeitscoach, mit Architekturführung an der Amalfiküste. Segeln nur für Frauen, für Leute unter 35 Jahren, für schwule Männer – es gab viele neue Ideen und der Umsetzung stand nichts im Wege.

Als im Januar die ersten Meldungen über eine neue Virusinfektion in Asien die Runde machten, waren wir noch recht entspannt. Hauptsächlich segeln wir im Mittelmeerraum – und die laufenden Törns in der Karibik und den Kanaren waren ja weit davon entfernt.

Freitag, der 13.

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Der 13. März 2020 schreibt Geschichte: eine weltweite Reisewarnung. Ein Novum für Deutschland und absolutes Neuland für uns als Segelreiseveranstalter. Das war erstmal ein echter Schock in unserem Büro in Köln.
Dank der tollen Zusammenarbeit mit den Crews und Skippern, konnten alle zu dem Zeitpunkt laufenden Segeltörns sicher im Heimathafen enden und alle wohlbehalten nach Deutschland zurückkehren. Die ein oder andere Rückreise-Odyssee und beklemmende Taxifahrt über sich schließende französische Grenzen war auch mit dabei… Alles nochmal gut gegangen!

Ab jetzt ist Stillstand – zumindest was die Durchführung von Segeltörns und die Buchungszahlen angeht. Eine seltsame Stimmung macht sich breit, als klar ist, dass diese Saison für alle knüppelhart wird. Eine solche Reisewarnung hat gewaltige Auswirkungen. Wir als Pauschalreiseveranstalter gewähren unseren Kunden alle damit einhergehenden Rechte. Jeder hat das Recht auf eine Erstattung seiner geleisteten Reisepreiszahlung. Die meisten Schiffe für den Sommer sind bereits gechartert und bezahlt und die Zahlungen unserer gebuchten Gäste somit weitestgehend in die Urlaubsländer umgeschichtet.

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Es ist klar, dass wir bis auf Weiteres unserer Arbeit nicht nachgehen können:
Die Yachten bleiben erstmal im Hafen. Das Büroteam einigt sich auf eine für alle Seiten faire Kurzarbeitsregelung. Die Kosten müssen heruntergefahren werden, denn in den nächsten Wochen (oder Monaten?) wird nur Geld herausgehen und keins hereinkommen. Alle gebuchten Gäste haben berechtigte Fragen und Sorgen, die unser Team in der Kundenberatung in wenigen Stunden pro Tag effizient und zufriedenstellend beantworten kann. Gleichzeitig eine Stornierung, Absage und Rückerstattung nach der anderen. Es gibt genug Arbeit, aber leider keinen Umsatz.

An dieser Stelle möchten wir uns bei den vielen treuen Gästen bedanken, die uns unterstützt haben. Sei es durch etwas Geduld oder den Verzicht auf die sofortige Erstattung. So viele haben sich für Reisegutscheine oder eine Umbuchung entschieden – DANKE!

Ein Segeltörn steht und fällt mit unserer Fachkraft vor Ort: Unseren Skipperinnen und Skippern. Diese machen die eine Woche auf der Segelyacht erst zu einem Urlaub. Sie begleiten die Crews sicher und mit Freude durch jedes Revier. Unsere SkipperInnen hatten es dieses Jahr auch besonders schwer: Gefühlt wurde jeder von langer Hand geplante Einsatz gepackt, geschüttelt und in Einzelwochen über das Jahr verteilt. Wir bedanken uns für die große Flexibilität, Treue und die Bereitschaft in letzter Sekunde jede Änderung hinzunehmen.

Es kann weitergehen

Als am 20. Juni endlich der erste Törn nach ziemlich genau drei Monaten zermürbender Zwangspause stattfinden soll, liegt nicht nur Freude in der Luft, sondern auch die Frage „Was wenn …?“. Wir beraten uns mit unseren Partnern in den Segelgebieten, arbeiten Konzepte aus und spinnen Eventualitäten durch. Am Ende kann man sagen – wir hätten einen Plan gehabt, aber: Auf den rund 200 durchgeführten Törns im Sommer 2020 haben wir keine Infektion mit COVID-19 verzeichnen können. Ausgezeichnet!
Man kann wieder segeln und das Feedback ist fantastisch. Crews, Skipper und das Wetter arbeiten Hand in Hand und bescheren uns acht traumhafte Segelwochen ohne Einschränkungen.

Klappe, die Zweite

idylle

Nach knapp zwei Monaten auf dem Wasser stellt der 14. August eine erneute Belastungsprobe für das Team im Kölner Büro dar. Freitag früher Abend – das Wochenende hat gerade begonnen, alle sind im Feierabend, das Handy vibriert – die App des Auswärtigen Amts hat eine neue Bekanntmachung: Mallorca ist Risikogebiet. Im Hinterkopf: „Eine Reisewarnung ist eine Warnung - kein Verbot.“ Also die Frage: Was wollen die Crews, die am nächsten Tag in See stechen sollen? Durchführen oder absagen? Alle zu erreichen, alles zu regeln… Stress.

Am Montag betrachten wir dann die Folgewochen – schweren Herzens werden die bereits mit Vorfreude erwarteten Mallorca-Flottillen abgesagt. Viele sind traurig – wir geben unser Bestes und können viele Crews auf andere Reviere umbuchen. Die Drähte zu den Charterpartnern laufen heiß – Yachten müssen storniert oder umgebucht werden.

Das Spiel setzt sich in Abständen von einer Woche fort – die Côte d’Azur und Teile Kroatiens fallen ebenfalls flach. Yachten, die gerade erst gechartert wurden, können wir nicht nutzen.

Unseren Charterpartnern gebührt ein großer Dank, denn ohne die Bereitschaft im Dialog das Beste aus der Saison zu machen, hätten wir große Probleme bekommen. Wir haben eng zusammengearbeitet und Sonderabsprachen getroffen.
Man ist sich einig: In einer Krise muss man zusammenhalten.

Trotz verhaltener Nachfrage können wir im September irgendwann keine Yachten und Kojen mehr anbieten. Viele Segler bleiben in Deutschland - auf der Ostsee kann man beinahe trocken von Yacht zu Yacht zu den dänischen Inseln übersetzen. Im Mittelmeerraum reißen sich die Veranstalter um die letzten Yachten in Griechenland und - wer hätte das im April gedacht - Italien.

Noch bis Ende Oktober segeln wir mit den letzten Crews des Sommers durch die Ägäis und das Ionische Meer, um Sardinien, Sizilien und an der Amalfiküste.

Wir sind dankbar

Wir blicken auf eine sehr schwierige Saison zurück – eine Katastrophe haben wir jedoch abwenden können. Wir haben nach früheren Abenteuern wie der griechischen Finanzkrise oder dem türkischen Putschversuch 2016 einen weiteren Belastungstest als Krisenmanager hinter uns – und diesen bestanden.

Gerade zu Anfang des Sommers war es eine große Herausforderung, auf die sich täglich ändernden Begebenheiten adäquat zu reagieren. Kaum hatte man eine Regelung ausgearbeitet, gab es eine neue Maßnahme im Kampf gegen das Coronavirus. Mit Klarheit nach außen, sowie schneller und direkter Kommunikation haben wir uns als verlässlicher Partner für Kunden und Geschäftspartner gleichermaßen positioniert.

Wir haben Ärger und Verzweiflung gesehen – und dabei ein Höchstmaß an Solidarität, Treue und Flexibilität erleben dürfen. Schlussendlich haben wir bewiesen, dass Segeln in 2020 nicht nur möglich, sondern auch außergewöhnlich schön war. Buchten, die in anderen Jahren manchmal voll und laut waren, fanden sich in diesem Jahr in teils unbeschreiblicher Ursprünglichkeit und Ruhe. Menschen eine wohlverdiente Alltagspause bei uns an Bord bescheren zu dürfen, war dieses Jahr besonders schön.


bueroteam
September 2020. Das Windbeutel-Team aus dem Kölner Büro. Es fehlt: Burkhard, der gerade durch die Ägäis segelt.

Und jetzt? Wir haben noch viel vor!

Wir bereiten uns gerade auf die neue Saison vor. Wir freuen uns über die zahlreichen Buchungen und die vielen Gutscheine, die bereits eingelöst wurden.
Wir feiern das Überstehen dieses Sommers, unsere tollen Gäste und unsere Skipperinnen und Skipper, die uns so treu voller Kraft zur Seite stehen. In 2021 haben wir außerdem einen weiteren Grund, die Korken knallen zu lassen:
Windbeutel Reisen wird unglaubliche 30 Jahre alt. Wir arbeiten an der ein oder anderen Überraschung und freuen uns darauf, euch alle wieder an Bord begrüßen zu dürfen.

Windbeutel Reisen 20.10.2020